Strommasten noch immer Todesfalle für Vögel

Bilanz zur Umrüstung von Mittelspannungsmasten nach Fristablauf

Ab diesem Jahr sollte in Deutschland erstmals kein einziger Storch oder Rotmilan mehr an einem Mittelspannungsmast sterben müssen. Doch die Realität sieht anders aus: Auch in diesem Jahr werden wieder tausende Vögel Opfer des Stromtods. Zwar sind es deutlich weniger als noch vor zehn Jahren, eine Umfrage des NABU bei den für Naturschutz zuständigen Ministerien der Länder zeigt jedoch, dass bundesweit zehntausende Strommasten noch immer nicht ausreichend für Vögel gesichert sind. Dies wiegt schwer, da mit Beginn des Jahres 2013 die gesetzliche Frist für alle Netzbetreiber abgelaufen ist, ihre Mittelspannungsmasten vogelsicher umzurüsten.

Mittelspannungsmasten stellen für Vögel eine Gefahr dar, wenn sie mit ihrem Körper stromführende Leitungen und Mastteile gleichzeitig berühren. Dies kann beispielsweise beim Landeanflug der Fall sein. Mehrere Ampere Strom fließen dann ungehindert durch ihren Körper und verursachen Verbrennungen und den sogenannten Stromtod. Besonders Greifvögel, Störche und Eulen sind hiervon betroffen. Seit Mitte 2011 gelten klare technische Vorgaben in Form der VDE-Anwendungsregel, um das Leben der Vögel zu schützen. Dem zugrundelegend schreibt das Bundesnaturschutzgesetz nicht nur die Entschärfung kritischer bestehender Masten vor, sondern auch den vogelsicheren Neubau. Viele Netzbetreiber setzen die relativ neuen Regeln jedoch nicht um.

Unterschiedliche Erfolge in den Bundesländern

Wie die Umfrage des NABU zeigt, sind lediglich drei Bundesländer den Anforderungen weitgehend nachgekommen. In Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg sind die meisten Masten bereits frühzeitig nachgerüstet worden. Allerdings mangelt es auch hier an ausreichenden Kontrollen, ob die alten Umrüstungen tatsächlich ihren Zweck erfüllen. In anderen Ländern, wie etwa Rheinland-Pfalz, ist derzeit jeder dritte Mast gar nicht gesichert. Zudem ließen einige Länder große Wissenslücken zum Stand der Umrüstung erkennen. So antworteten etwa Sachsen und Brandenburg ausgesprochen vage – nach Ansicht des NABU ein Anzeichen für ein hohes Umrüstungsdefizit. Nahezu keine Gefahr droht Vögeln in den drei Stadtstaaten sowie in Schleswig-Holstein. Hier sorgen Erdkabel und vergleichsweise wenige Freileitungen für ein sichereres Fliegen.

Jährlich werden wie dieser Mäusebussard Tausende Vögel Opfer des Stromtods. Image credit: NABU.de

Jährlich werden wie dieser Mäusebussard Tausende Vögel Opfer des Stromtods. Image credit: NABU.de

Die meisten Fortschritte in Vogel-Hotspots

Übereinstimmend teilten die meisten Länder mit, zunächst in EU-Vogelschutzgebieten mit den Umrüstungen begonnen und sie dort abgeschlossen zu haben. Gleiches gilt für Gebiete, in denen gefährdete Großvogelarten nachgewiesen sind. Auf diese Weise konnten vor allem in Bayern, Thüringen, Schleswig-Holstein, Hessen und Niedersachsen bedrohte Arten besser geschützt werden. Allerdings zeigte sich, dass viele Netzbetreiber ihre Umrüstungen allein mit diesem Schritt als ausreichend betrachten. Viele Länder haben dem NABU eine fristgemäße Umrüstung gemeldet. Doch nur die wenigsten fordern von den Netzbetreibern auch den Einsatz neuester Technik und eine flächendeckende Entschärfung. Deshalb stehen vielerorts noch Masten mit alter oder vollkommen untauglicher Ausrüstung.

Mehr Anstrengungen sind nötig

Die Qualität der Umrüstungen lässt sich anhand der Meldungen der Netzbetreiber an die Bundesländer nicht überprüfen. So berichten Vogelschützer immer wieder von falsch gesicherten Masten in Schutzgebieten oder gänzlich ungesicherten in der Fläche. Angesichts der schleppendenden Entwicklung fordert der NABU von den Bundesländern, die Kontrollen zu verschärfen. „Zehn Monate nach Ablauf der gesetzlichen Frist ist es ein unhaltbarer Zustand, wenn weitere Vögel sterben müssen, ehe ein nicht entschärfter Mast als kritisch eingestuft wird. Alle untauglichen Masten müssen daher schnellstmöglich ausgetauscht werden – notfalls mithilfe von neuen gesetzlichen Fristen oder Bußgeldern“, so Neuling.

*Source: NABU.de

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