Verursacht Erdgas-Förderung Krebs?

NABU fordert Stopp in niedersächsischem Erdgas-Fördergebiet

Der NABU warnt vor dem Einsatz der Fracking-Technologie in Deutschland. „Fracking, egal ob mit oder ohne Chemikalien, darf in Deutschland nicht zugelassen werden, bevor die Folgeschäden konventioneller Bergbaumethoden nicht gebannt sind“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Eine Untersuchung des epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen im Auftrag des Landkreises Rotenburg/Wümme hat ergeben, dass Männer in der Samtgemeinde Bothel deutlich häufiger an Leukämie erkranken als anderswo. Bürgerinitiativen hatten die Untersuchung angeregt. So besteht die Befürchtung, dass die Krebsfälle mit der Erdgasförderung zusammenhängen.

Probenentnahme bei Söhlingen, Samtgemeinde Bothel. Image credit: NABU.de

Probenentnahme bei Söhlingen, Samtgemeinde Bothel. Image credit: NABU.de

Der NABU fordert schnellst möglich Aufklärung über die Ursachen der Krebsfälle. „Es ist absolut inakzeptabel und grob fahrlässig jetzt über die Ausbeutung von unkonventionellen Lagerstätten mit Hilfe der Fracking-Technologie nachzudenken, wenn die Folgen der konventionellen Förderung nicht kontrolliert werden können“, so Tschimpke. „Stattdessen muss die Erdgasförderung sofort gestoppt werden, solange die Ursachen nicht geklärt sind.“ Der Untersuchung des Krebsregisters war im Mai dieses Jahres der Nachweis von erhöhten Werten des krebserregenden Benzols und Quecksilbers an Erdgasförderstellen vorausgegangen. In der direkten Umgebung von zwei Bohrplätzen bei Söhlingen maß der NABU-Kreisverband Rotenburg 40- bis 70-fach überhöhte Quecksilberwerte.

Die Bundesregierung plant derzeit den Rechtsrahmen zur Förderung von Erdgas aus unkonventionellen und konventionellen Lagerstätten anzupassen. In einem Eckpunktepapier hatten sich Bundeswirtschaftminister Gabriel und Bundesumweltministerin Hendricks Anfang Juli auf ein Fracking-Moratorium für Schiefer- und Kohleflözgasvorkommen aus unkonventionellen Lagerstätten bis 3.000 Meter Tiefe bis 2022 mit Ausnahmen von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben verständigt. Das Moratorium soll 2021 überprüft werden. Der NABU hält die Eckpunkte jedoch für unzureichend die Gefahren und Risiken für Mensch, Natur und Trinkwasser tatsächlich zu bannen. „Die Ereignisse in Niedersachsen zeigen, dass jede neue Bohrung zu einem neuen Test- und Experimentierfeld würde: Mit offenem Ausgang für die Gesundheit und im schlimmsten Fall sogar mit Krebs“, warnte NABU-Energieexperte Ulf Sieberg.

Quecksilbernachweis des NABU-Kreisverbandes Rotenburg (Wümme)

Bericht des Gesundheitsamtes Rotenburg zur Auswertung des Krebsregisters

*Source: NABU.de

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