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28. Jan 2020

MuslimInnen in Österreich säkularisierter als angenommen

Das religiöse Alltagsleben von MuslimInnen in Österreich ist facettenreicher und vielfältiger als weithin angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Untersuchung des Instituts für Islamische Studien der Universität Wien. Dass es sich bei der muslimischen Bevölkerung in Österreich um eine homogene Gruppe mit durchwegs einheitlicher Glaubenspraxis handeln würde, erweist sich jedenfalls als Klischee. Vielmehr, so die Aussage der Studie, orientiert sich deren religiöse Alltagspraxis keineswegs strikt an den religiösen Pflichten des Islams, sondern weicht davon auch durchaus ab.

Im Rahmen der qualitativen Studie wurden Interviews in mehreren Bundesländern geführt, die ein lebendiges, alltagsnahes Bild der Religiosität und der religiösen Alltagspraxis muslimischer Bevölkerungsgruppen in Österreich vermitteln. Was den täglichen Umgangs mit Religion betrifft, konnten die ForscherInnen rund um Ednan Aslan fünf Haupttendenzen feststellen: (1) Distanzierung und Abwendung von Religion, (2) ein säkularisierter Umgang mit Religion, (3) religiöse Emanzipation, (4) ein pragmatischer Umgang mit Religion sowie (5) der Rückzug in die Religion.

Muslimischer Alltag in Wien. Image copyright: Parastou Hagh Nejad

Muslimischer Alltag in Wien. Image copyright: Parastou Hagh Nejad

“Die Besonderheit der vorliegenden Studie besteht darin, dass der Fokus der Untersuchung nicht – wie bisher üblich – auf islamischen Organisationen, Moscheegemeinden oder religiösen Einrichtungen liegt. Stattdessen rückt die alltägliche Glaubenspraxis jenseits islamischer Institutionen ins Blickfeld”, erklärt Projektleiter Aslan. Gläubige, die nicht aktiv bzw. keine Mitglieder von Moscheevereinen sind, und die Moscheen gar nicht oder nur selten aufsuchen, erfahren in der Regel nur geringe Aufmerksamkeit, obwohl diese Personengruppe, so belegen andere Studien, mit ca. 80 bis 85 Prozent klar die überwiegende Mehrheit der muslimischen Bevölkerung darstellt.

“Vor diesem Hintergrund ist die Reichweite der Studienergebnisse besonders hervorzuheben: Die identifizierten fünf Umgangsformen mit Religion und religiösen Regeln treffen nicht nur auf eine kleine Personengruppe – wie die in Moscheegemeinden und islamischen Einrichtungen organisierten MuslimInnen – zu, sondern bilden die religiöse Alltagspraxis der überwiegenden Mehrheit der muslimischen Bevölkerung ab, die in wissenschaftlichen Studien bisher kaum Beachtung gefunden hat”, so Projektmitarbeiter Jonas Kolb.

Die Analyse der Diversität religiöser Alltagspraxis unter MuslimInnen soll, basierend auf diesen neuesten Erkenntnissen, durch zusätzliche empirische Erhebungen weiter vertieft werden und so quantifizierbare Ergebnisse liefern. Das Institut für Islamische Studien wird das Forschungsprojekt 2014/2015 mit einer Buchpublikation abschließen.

Unter dem Link http://muslimische-milieus-in-oesterreich.univie.ac.at/publikationen/ ist der Projektzwischenbericht online abrufbar.

*Source: Universität Wien

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