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22. Sep 2019

Kann man über den deutschen Winter wirklich klagen?

Eigentlich können wir doch ganz zufrieden sein mit dem diesjährigen
Winterwetter in Deutschland. Klar … unter Winter stellt man sich
gemeinhin frostige Temperaturen und zumindest ab und an auch mal
Schnee vor. Sicher … selbst auf den höchsten Mittelgebirgsgipfeln
liegt kaum Schnee. Der Große Arber sticht da mit 35 cm noch positiv
heraus. Auf dem Feldberg im Schwarzwald sind es 14 cm, der
Fichtelberg bringt es auf 10 cm und der Brocken auf 11 cm. Kahler
Asten, Wasserkuppe oder Neuhaus am Rennweg haben erst gar nichts zu
melden.

Aber schauen wir doch mal, wie es andernorts ausschaut. Viele
Regionen in den USA haben gerade den heftigsten Wintereinbruch seit
1996 hinter sich. Die Auswirkungen konnte man in der vergangenen
Woche in allen Medien verfolgen. Tiefstwerte die verbreitet im
strengen Frostbereich lagen. An der Grenze zu Kanada wurden sogar bis
an die -40 Grad gemessen. Dazu noch der kräftige Wind, der die
ohnehin schon tiefen Werte noch kälter empfinden ließ. Und der Schnee
… Als der Wind mit der eisigen Frostluft über die großen Seen
strömte, konnten sich auf deren Südseite große Schneemengen entladen.
Zudem tragen die Seen schon einiges an Eis. Die Eismenge ist bereits
so groß wie seit 1994 nicht mehr. Nach kurzer Pause deuten die
Modelle für nächste Woche neue Kaltluftvorstöße mit Schneefällen vor
allem für die Nordoststaaten an. Ob dies das Winterwunschwetter ist,
muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auch in Europa hat es einige Regionen hart getroffen. Etliche Stürme
und heftige Niederschläge haben besonders die Britischen Inseln hart
getroffen. Vor allem der viele Regen der vergangenen Wochen macht den
Briten zu schaffen. So führt zum Beispiel die Themse Hochwasser und
sorgt vielerorts für Überschwemmungen. In vielen Regionen gelten
Flutwarnungen. Auch wenn es in den nächsten Tagen weitere
Niederschläge geben wird, ist mit einer allmählichen Entspannung zu
rechnen. Ingesamt sind die atlantischen Tiefdruckgebiete und auch die
zu erwartenden Niederschläge nicht mehr so heftig. Mit den Folgen der
Überflutungen haben einige Regionen aber sicher noch länger zu
kämpfen. So etwas wünscht man sich sicherlich auch nicht für den
Winter.

Aber wo ist er nun eigentlich, der Winter? Wie geplant macht er sich
gerade in Nord- und Nordosteuropa breit. So wird heute in vielen
Teilen von Norwegen, Schweden oder Finnland Dauerfrost erwartet. Die
nächsten Tage bleibt es frostig und in den Nächten gibt es in einigen
Regionen strenge Fröste unter -10 Grad. Auch in Westrussland macht
sich kalte Luft breit. Dass diese kalte Luft auch bis zu uns
vorankommt, erscheint aus jetziger Sicht derzeit eher
unwahrscheinlich. Dafür bräuchte man ein Hoch über Skandinavien und
tiefen Luftdruck über dem Mittelmeerraum. Daraus resultierend würde
die Strömung auf östliche Richtungen drehen. In der vergangenen Woche
haben einige Modelllösungen dieses Szenario angedeutet. Die
Unsicherheiten waren aber noch groß. Und nun scheint es so, dass der
Atlantik doch etwas stärker ist. Das angesprochene Hochdruckgebiet
wird mit seinem Zentrum entsprechend weiter im Osten (Westrussland)
prognostiziert.

Dadurch verbleibt Deutschland im Grenzgebiet zwischen den milden
Atlantikluftmassen und der kalten Ostluft. Das zeigt sich auch in den
Höchstwerten, die in der Osthälfte in den nächsten Tagen niedriger
liegen, als im Westen. So richtig Winter ist das zwar weiterhin
nicht. Die Temperatur liegt aber immerhin nicht mehr im
Frühlingsbereich und nachts ist Frost möglich. Auch kleine
Überraschungen sind immer wieder drin. So könnte es morgen in Teilen
von Schleswig Holstein, und später auch in Mecklenburg-Vorpommern
Schnee geben, der vorübergehend auch einmal liegen bleiben kann. Gut
… nun ist es keine Überraschung mehr 🙂

Ob der Winter irgendwann auch noch mal richtig zuschlägt, lässt sich
im Moment noch nicht sagen. Immerhin kann sich östlich von uns
erstmals in diesem Winter etwas Kälte ansammeln, die dann bei einer
entsprechenden Großwetterlage zur Verfügung stehen würde. Und wenn es
am Ende doch nicht reicht, denken wir an die Wetterunbilden in den
USA oder in England und die meisten werden dann sicherlich der
Meinung sein: Eigentlich können wir doch ganz zufrieden sein mit dem
diesjährigen Winterwetter in Deutschland.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.01.2014

*Source: Deutscher Wetterdienst

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