Neue Arbeitswelten durch Corona

Forscherin der Universität Freiburg stellt Studien zum Umgang mit digitalen Arbeitskulturen vor

Die Corona-Pandemie hat den Digitalisierungsprozess vieler Unternehmen beschleunigt. Videokonferenzen und die cloudbasierte Dokumentenablage gehören mittlerweile zum Standard im Homeoffice. „Covid-19 wird unsere Arbeit – und damit Arbeitsweisen, Arbeitsverhältnisse, Arbeitskulturen – möglicherweise langfristig und massiv verändern“, sagt Kulturwissenschaftlerin Dr. Sarah May von der Universität Freiburg.

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen hat sie porträtiert, wie bestimmte Menschen konkret mit dem Digitalen arbeiten. Im online frei verfügbaren Heft „Digitale Arbeitskulturen“ sind zehn Studien zusammengefasst, die auf Basis von Interviews, Beobachtungen und eigener Teilnahme analysieren, welche Rolle die Arbeitenden in der veränderten Arbeitswelt einnehmen. Darüber hinaus beschreiben die Autorinnen und Autoren, wie Digitalisierung durch Arbeit vorangetrieben und geprägt, aber auch vermieden wird.

Image credit: Eli Sommer (Source: Pexels.com)

 „Das Digitale verändert die Arbeit. Zugleich verändert die Arbeit aber auch das Digitale“, sagt May. Digitalisierung dürfe man nicht nur als Zuschauerin oder Zuschauer wahrnehmen, sondern müsse erkennen, dass die Prozesse der Digitalisierung nicht von selbst geschehen. „Man darf nicht übersehen, welche Handlungsmöglichkeiten sich einem bieten und welche machtvolle Rolle jede arbeitende Person hat.“ May und ihre Kollegen zeigen beispielsweise, dass Online-Plattformen für viele indische Crowdworker einen Zugang zu höher bezahlten Aufträgen bieten, als ihnen in ihrer unmittelbaren Umgebung offenstehen.

Auch Frauen, die vor ihrer Mutterschaft in PR- und Journalistenberufen tätig waren, nutzen die Onlinewelt und werden als Lifestylebloggerinnen professionell aktiv. Familiäre Ereignisse wie Einschulung, Schwangerschaft und Geburt werden Inhalt für den Blog.

Darüber hinaus stellen die Autoren auch heraus, in welchen Berufsgruppen sich Widerstände gegen Digitalisierung formieren, beispielsweise, wenn Fahrradkuriere ihre digital gelenkten Arbeitsabläufe gezielt umgehen, indem sie den vorgeschlagenen Radrouten nicht folgen. „Wir wollen die Wirk- und Gestaltungsmacht von Akteurinnen und Akteuren im Arbeitsumfeld betonen“, sagt Sarah May.

Zusätzlich sind die Beiträge an Forschende gerichtet: Im Heft formulieren die Autoren Vorschläge, wie sich Transformationen in der digitalen Arbeitswelt zukünftig erforschen lassen.

Publikation:
Eckhardt, D., May, S. ., Röthl, M., & Tischberger, R. . (2020). Digitale Arbeitskulturen. Rahmungen, Effekte, Herausforderungen. Berliner Blätter, 82. DOI: 10.18452/22135

*Source: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

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