Geiger oder Fiedler, Roth oder Weiß

Der fünfte Band des Deutschen Familiennamenatlas behandelt Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Freiburg haben den fünften Band des Deutschen Familiennamenatlas veröffentlicht. Er behandelt die Gruppe der Berufs- und Übernamen – also die Entstehungsmotivation der Namen durch den Beruf und persönliche Merkmale wie etwa die körperliche Erscheinung eines Menschen. Während andere Bände die Bildung von Familiennamen anhand anderer Namen, zum Beispiel anhand von Rufnamen oder Städtenamen, zum Thema haben, beruhen die Familiennamen im fünften Band auf Substantiven, Adjektiven oder Verben, wie sie in der gesprochenen Sprache des späten Mittelalters in Gebrauch waren. Damit stellt der Band den Wissenschaftlern zufolge ein neues Grundlagenwerk für die Sprachgeschichte dar.

Bild Quelle: Deutscher Familiennamenatlas, Band 5, Karte 215

Bild Quelle: Deutscher Familiennamenatlas, Band 5, Karte 215

Der erste Teil gilt Namen, die durch Beruf, Stand oder Amt motiviert sind. „Fiedler“ beispielsweise geht auf die Bezeichnung eines Geigenspielers im Norden Deutschlands zurück, im Süden ist der Name „Geiger“ verbreitet. Ob jemand „Bäcker“ oder „Beck“, „Pfister“ oder „Pistor“ heißt, lässt sich ebenso regional vergleichen wie „Sägemüller“ oder „Schreiner“. „Insgesamt lässt sich sagen, dass die 14 häufigsten Familiennamen in Deutschland allesamt Familiennamen aus Berufsbezeichnungen sind“, erläutert die Projektmitarbeiterin Dr. Kathrin Dräger. Der zweite Teil behandelt Namen, die durch körperliche, charakterliche oder biografische Merkmale motiviert sind: „Klein“ und „Groß“ gehören zu den häufigsten Namen, andere wie „Weiß“, „Roth“ oder „Kraus“ gehen auf Haarfarbe oder Haarbeschaffenheit zurück. Bestimmte Verhaltensweisen führten zu Namen wie „Still“ oder „Stille“, und jemand, der viel zu sich nimmt, wurde „Schlemmer“ genannt. „Die Palette dieser Übernamen ist außerordentlich vielfältig, weil viele unterschiedliche Merkmale eingehen: vom Körperumfang über die Gangart bis zu Trink- oder Schlafgewohnheiten“, sagt Dräger.

419 Karten zeigen, wie die häufigsten Namen regional verteilt sind. Indem der Atlas den Bestand und die Verbreitung der Familiennamen in der Bundesrepublik Deutschland auf dem Stand von 2005 festhält, bietet er nicht nur der Namenforschung ein neues Fundament: Auch anderen Disziplinen von der Sozialgeschichte über die Siedlungs- und Migrationsforschung bis zur Genetik dient er als wichtiges Hilfsmittel.

Veröffentlichung:
Kunze, K./Nübling, D. (Hrsg.)(2016): Deutscher Familiennamenatlas. Band 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin.

*Source: Universität Freiburg

(Visited 20 times, 1 visits today)