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Uns gefällt, was ExpertInnen gefällt – und was teuer ist

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Kunstgeschmack beugt sich sozialen Faktoren

Ob Peter Paul Rubens oder Damien Hirst – über Kunst lässt sich trefflich streiten. Wissenschafter von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien haben nun in einer Reihe von Experimenten nachgewiesen, dass der individuelle Kunstgeschmack auch von sozialen Faktoren abhängig ist. Die persönliche Bewertung von Kunst wurde davon beeinflusst, wem das Werk sonst noch gefällt – oder eben nicht. Und auch der Wert, den ein Gemälde am Kunstmarkt erzielt, bestärkte das subjektive Empfinden, wie sehr uns ein Kunstwerk anspricht. Die Studie wurde kürzlich im internationalen Journal “Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts” veröffentlicht.

Gemeinsam mit Kollegen der Universität Kopenhagen haben Matthew Pelowski und Michael Forster vom Institut für psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien den Einfluss von sozialen und finanziellen Kontextinformationen auf Gefallensurteile von Kunst beobachtet. Der Fokus lag dabei auf den Fragen, ob der Kaufpreis, das Prestige einer Galerie oder der sozioökonomische Status und Bildungsstand von anderen Personen einen Einfluss auf das persönliche Kunstempfinden hat.

Matthew Pelowski (links) und Michael Forster (rechts) von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien bei Recherchen für ihre Studie. Das gezeigte Bild stammt von Institutsvorstand Hlemut Leder (Image copyright: Jürgen Goller).

Matthew Pelowski (links) und Michael Forster (rechts) von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien bei Recherchen für ihre Studie. Das gezeigte Bild stammt von Institutsvorstand Hlemut Leder (Image copyright: Jürgen Goller).

Geschmack orientiert sich an ExpertInnen, Peers und dem Preis
Im Rahmen der Untersuchung beurteilten Studierende eine Reihe von Gemälden nach persönlichem Gefallen. Vor der Präsentation erfuhren die TeilnehmerInnen jedoch, dass bestimmte soziale Gruppen schon vor ihnen die Werke gesehen und bewertet hatten. Diese Gruppen waren entweder Peers (ebenfalls Studierende), ExpertInnen (KuratorInnen angesehener Museen) oder eine Gruppe gleichaltriger StudienabbrecherInnen und Langzeitarbeitsloser. Diese Resultate wurden dann mit einer Kontrollgruppe verglichen, die die Bilder ohne soziale Kontextinformation bewertet hatten.

“Die Ergebnisse zeigen, dass den TeilnehmerInnen Bilder dann besser gefielen, wenn sie dachten, dass entweder ExpertInnen oder Peers sie ebenfalls hoch bewertet hatten”, so Pelowski. “Wenn sie allerdings glaubten, dass arbeitslose StudienabbrecherInnen ein Gemälde nicht mochten, ging ihr Urteil in die Gegenrichtung und es gefiel ihnen umso mehr.” In einem zweiten Experiment wiesen die Wissenschafter nach, dass auch die Information über (fiktive) Kaufpreise von Gemälden die Bewertungen der Werke deutlich veränderte. Sehr niedrige Preise hatten den Effekt, dass den ProbandInnen die Kunst weniger gefiel, sehr hohe Preise führten zu mehr Zuspruch.

Kunst als Zugehörigkeitsgefühl
“Diese Befunde unterstützen die Theorie der sozial konstruierten Unterschiede, wie sie vom französischen Soziologen und Philosophen Pierre Bourdieu aufgestellt wurde”, erklärt Pelowski. Nach dieser Theorie benutzen wir unseren Geschmack bei Kunst, um Zugehörigkeit zu einer begehrten sozialen Gruppe zu zeigen – oder uns von einer nicht erwünschten Gruppenzugehörigkeit zu distanzieren. Beide Studien haben auch große Bedeutung für Museen: Sie illustrieren, dass unsere Kunstwahrnehmung stark vom sozialen Kontext beeinflusst wird.

Publikation in “Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts”:
Lauring, J. O., Pelowski, M., Forster, M., Gondan, M., Ptito, M., & Kupers, R. (2016, June 13). Well, if They Like it . . . Effects of Social Groups’ Ratings and Price Information on the Appreciation of Art. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts. Advance online publication.
DOI: http://dx.doi.org/10.1037/aca0000063

*Source: Universität Wien

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